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Das Szenario ist in manchen Staaten recht aehnlich: eine sinkende Waehrung, ein sich ausweitendes Handelsdefizit und eine Bevoelkerung, die mehr und mehr Gold kauft. Resultat ist, dass die jeweilige Regierung dumm aus der Waesche schaut – und mit Massnahmen antwortet, die allgemein unpopulaer sind. Dies betrifft unter anderem Vietnam, wo die Zentralbank darum bemueht ist, Gold in Privatbesitz wieder dem oeffentlichen Wirtschaftskreislauf zugute kommen zu lassen. Doch auch in Indien und der Tuerkei zeigen sich die Regierungen kreativ, wenn es darum geht, wie der Goldboom zu stoppen ist.

In Vietnam versucht die Zentralbank die Kontrolle ueber den heimischen Goldmarkt zurueck zu erobern, indem sie nur noch Unternehmen die Einfuhr von Gold erlaubt, die ueber einen Marktanteil von mindestens 25% verfuegen und eine adaequate Kapitalausstattung aufweisen. Uebersetzt heisst dies nichts anderes, als dass die Regierung einem staatseigenen Unternehmen ein Monopol in diesem Sektor geschaffen hat, ueber das der Goldfluss in der Zukunft kontrolliert werden soll.

In Indien geschehen die Dinge auf eine etwas subtilere Weise, indem die Regierung die Einfuhrzoelle im Goldsektor seit Beginn dieses Jahres vervierfachte. In der Tuerkei verfolgt die Regierung laut eines Berichts im Wall Street Journal den Plan, ihre Staatsbuerger dazu zu ermuntern, ihre physischen Goldbestaende in der Zukunft bei den heimischen Banken zu bunkern. Einer der juengsten Vorschlaege zieht in Erwaegung, dass Banken Kunden demnaechst Goldkonten anbieten duerfen, die verzinst werden. Kunden, die Goldbarren bei einer tuerkischen Geschaeftsbank deponieren, sollen diese sogar an oeffentlich zugaenglichen Goldautomaten wieder abheben koennen.

Beobachter zeigen sich unterdessen skeptisch, dass die Affinitaet, Vermoegen ueber Goldinvestments ausserhalb des Systems zu veranlagen, so leicht durchbrochen werden kann. Falls die Regierungsplaene umgesetzt werden sollten, ist dies nichts anderes als ein neuer Versuch, um dem heimischen Bankensystem Zugang zu einem Teil der physischen Goldreserven in tuerkischer Privathand zu verschaffen. Im vergangenen November teilte die Zentralbank mit, dass es tuerkischen Geschaeftsbanken ab sofort erlaubt sein wird, 10% ihrer Kapitalreserven in Form von Gold zu halten. Hinter dieser Entscheidung steht vor allem eine im Aussenwert sinkende Waehrung, wodurch es zu Problemen in der Zahlungsbilanz eines Landes kommt. Die tuerkische Lira sank im Jahr 2011 um 23% gegenueber dem US-Dollar, waehrend die landesweite Goldnachfrage im vierten Quartal um 128% gegenueber dem Vorjahr kletterte, wie Daten des World Gold Council zeigten.

Im Gesamtjahr 2011 reduzierte sich die tuerkische Goldschmucknachfrage zwar leicht, wohingegen die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmuenzen um 99% auf 80,4 Tonnen kletterte. Nahezu die gesamte Nachfrage wurde durch Importe befriedigt, die sich im Jahr 2011 auf 79,7 Tonnen beliefen. Diese Nachrichten sind alles andere als gut fuer ein Land, das ein Leistungsbilanzdefizit von 10% seines BIPs aufweist.

Waehrend die tuerkische Lira im Aussenwert sinkt, sichern sich Investoren ueber den Kauf von Gold gegen die abwertende Waehrung ab, wodurch sich wiederum das Handels- und Leistungsbilanzdefizit ausweitet. Bislang ist nicht klar, wie die potenzielle Einfuehrung von Goldkonten diesen Kreislauf durchbrechen soll. Wahrscheinlich hofft die Regierung darauf, dass das Vertrauen in das heimische Finanzsystem gestaerkt wird, wenn Banken einen groesseren Anteil ihrer Kapitalreserven in Form von Gold halten, was wiederum den Aussenwert der Lira staerken koennte. Wenn dem so waere, koennte man im Umkehrschluss jedoch auch auf den Gedanken kommen, dass ein Run auf das tuerkische Bankensystem vermieden werden soll, bevor es – wie im Falle Vietnams – zu spaet fuer praeventive Massnahmen ist.