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Die sich in der Eurozone seit Jahren entfaltenden Finanzprobleme haben den Polen ins Bewusstsein geführt, dass es eine schlaue Entscheidung war, die Einführung des Euro in die Zukunft zu verschieben. Das Festhalten an seiner Zloty-Währung hat das ehemalige Ostblockland bislang gegen die Turbulenzen in der Region abgeschirmt. Aus diesem Grunde verwundert es kaum, dass eine Mehrheit der Polen es keineswegs eilig hat, den Euro in ihrem Land einzuführen.

Die Eurozone hat sich seit Mai 2010 in eine Bailoutzone verwandelt, in der plötzlich jeder für jeden haften soll

Polen hat sich mit seinem Eintritt in die Europäische Union im Jahr 2004 zu einer Einführung des Euro verpflichtet. Bis dato galt der in 17 Staaten Europas eingeführte Euro als Statussymbol für ökonomischen Erfolg. Immerhin nutzten vor allem die Südländer der Eurozone die neue Währung, um sich bis über beide Ohren im Ausland zu verschulden, wodurch das ökonomische Wachstum bis zum Ausbruch der Eurokrise im Mai 2010 ankurbelt wurde.

Heute hat sich die Situation jedoch ins komplette Gegenteil verwandelt, da die in der Region um sich greifende Staatsschuldenkrise zu einer eher ablehnenden Haltung zu einer geographischen Erweiterung der Eurozone geführt hat. In Griechenland hat man heute erkannt, dass man den Euro niemals hätte einführen dürfen, nun jedoch in einer ökonomischen und gesellschaftlichen Falle sitzt.

Die Eurozone hat sich zu einer Bailoutzone entwickelt, in der wohlhabende Staaten die bis über beide Ohren verschuldeten Partnerländer wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien aus ihren hausgemachten Wirtschaftsproblemen heraus zu kaufen versuchen, um die Existenz des Euros nicht zu gefährden. Die jüngsten Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich neue Mitglieder der Europäischen Union wie Polen und die Tschechische Republik nicht mehr um eine Einführung des Euro rangeln.

Im Jahr 2008 erklärte Polens Premierminister Tusk noch großspurig, dass sein Land der Eurozone in 2011 beitreten werde, was bis heute nicht geschehen ist. Der Enthusiasmus zur Übernahme des Euro scheint im Angesicht der immensen wirtschaftlichen und finanziellen Probleme in den meisten Euro-Staaten dem bloßen Schrecken gewichen zu sein.

Aus diesem Grunde gibt man sich in Polen äußerst bedeckt zu der Frage, wann denn eine Euro-Einführung nun vonstatten gehen soll. Neben Großbritannien ist Polen das bevölkerungsreichste Land in der EU, das den Euro nicht als Währung eingeführt hat. Warum auch?

Die Stärke des Zloty hat Polen zu der am schnellsten wachsenden Ökonomie unter den EU27-Staaten avancieren lassen. Trotz der starken Währung boomt die Exportwirtschaft und die Ausgaben der Verbraucher erweisen sich seit Jahren konstant. In diesem Jahr soll Polens Wirtschaft mit einer Rate von 2,5% wachsen, wie Schätzungen der Regierung zeigen, während die meisten Euro-Länder sich wieder auf dem Weg in eine Rezession befinden. Eine Mehrheit der Polen erklärte in einer jüngst publizierten Umfrage, dass das ökonomische Schicksal Griechenlands hauptsächlich auf seiner Mitgliedschaft in der Eurozone beruhe.

Das Land könne weder seine Währung abwerten, noch andere Maßnahmen zum Jobwachstum ergreifen, was sich katastrophal auf die Wirtschaft und den so wichtigen Tourismussektor auswirke. In Polen beobachtet man die Entwicklung in Estland und der Slowakei deshalb aufs Genaueste, die den Euro vor Kurzem einführten, und nun Kapital für Kreditgarantien faktisch bankrotter Euro-Staaten bereitstellen müssen.