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Am Sonntag wird es in Griechenland zu den lang erwartenden Neuwahlen kommen. Das politische Spektrum der 32 Parteien, die sich Chancen auf den Einzug ins Parlament ausrechnen, reicht von ultra-rechts bis ultra-links. Letztendlich droht dem Land eine „Weimarisierung“ seines Abgeordnetenhauses, womit politischer Stillstand vorprogrammiert wäre. Für die Bondinvestoren dürfte hingegen entscheidend sein, wie die beiden großen Parteien der sozialistischen Pasok und der neuen Konservativen abschneiden werden. Denn schließlich scheinen sie die einzigen Garanten auf eine Fortführung der bisherigen politischen Leitlinie, an einem Verbleib in der Eurozone festzuhalten.

Für Griechenland steht am Sonntag auch eine Entscheidung über einen weiteren Verbleib in der Eurozone an

Es dürfte am Sonntag spannend werden zu beobachten, auf welche Weise sich eine Mehrheit der Griechen entscheiden wird. Ein Kreuzchen auf dem Stimmzettel zugunsten der sozialistischen Pasok oder der neuen Konservativen wird unter Experten gleichgesetzt mit dem Wunsch nach einem Verbleib in der Eurozone. Was jedoch bereits festzustehen scheint, ist, dass das neu zu wählende Athener Parlament äußerst bunt werden dürfte. Wahlbeobachter rechnen vor allem mit einem potenziellen Rechtsruck, der die Karten im Abgeordnetenhaus vollkommen neu mischen könnte.

Denn die zuletzt stark aufstrebenden Rechtsparteien, darunter einige Ultras, stehen für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, um die ökonomische Misere des Landes zu beenden. Sollten die griechischen Wähler tatsächlich in diese Richtung entscheiden, dürfte unter den größten Notkreditgebern wie Deutschland und dem Internationalen Währungsfonds das große Zittern losgehen. Schließlich könnten neue Mächte im Athener Parlament dazu tendieren, die bislang durch die griechischen Vorgängerregierungen abgeschlossenen Bailoutverträge für Null und nichtig zu erklären. Diese Entwicklung würde aus Sicht der Brüsseler EU-Spitzen dem schlimmsten aller möglichen Szenarien entsprechen.

Aus diesem Grunde wird gehofft, dass Pasok und neue Konservative zumindest so viele Stimmen einholen, um gemeinsam eine große Koalition bilden zu können. Sollte dem nicht so sein, gehen Experten an den Bondmärkten von einem Überspringen der griechischen Misere auf die Staatsanleihemärkte Spaniens, Italiens und Portugals aus. Denn was sollte die wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stehenden Wähler in diesen Eurostaaten davon abhalten, sich im Zuge der nächsten Wahlen ebenfalls für politische Konstellationen zu entscheiden, die die beschlossenen Sparkürzungen revidieren und rückgängig machen würden? Andererseits wird sich die ökonomische Malaise im Zuge eines Wahlsiegs der alt eingesessenen Parteien auch nicht minimieren, da diese für eine Beibehaltung des durch die EU und den IWF aufoktroyierten Sparkurses plädieren. Wie auch immer die Wahlen ausgehen werden, an den globalen Bondmärkten blicken die Investoren mit Argusaugen auf deren Ausgang am Sonntag. Was schlimmstenfalls passieren könnte, ist, dass eine Flucht aus Staatsanleihen der so genannten PIIGS-Länder in die höher eingestuften Regierungsbonds Deutschlands, Österreichs und Finnlands beginnen wird.

Selbst Frankreich blickt einem Verlust seines AAA-Ratings entgegen, sollte Staatspräsident Nicholas Sarkozy am Sonntag seinem sozialistischen Herausforderer Francois Hollande unterliegen. Wie Hollande bereits deutlich machte, würde er die bisher zwischen Deutschland und Frankreich getroffenen Vereinbarungen zum European Stabilisation Mechanism (ESM) wieder aufschnüren, um neu über die finanziellen Verpflichtungen der einzelnen EU-Mitgliedsländer zu verhandeln. Der kommende Sonntag wird es also in sich haben und einen Fingerzeig darauf geben, ob die Eurozone in ihrer jetzigen Form auch in der Zukunft weiter bestehen kann.